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| Biographie des Wolfgang Gesch oder "Ein amerikanischer Traum?" | ||
| aufgeschrieben von Vivian Blöhm, 1. Semester, im August 2005. | ||
| Die Biographie von Wolfgang Gesch beginnt im Jahr 1950 auf einem Bauernhof in Alt-Künkendorf in Brandenburg. Doch schon im zarten Alter von 2 Jahren sollte sein Leben eine einschneidende Wendung nehmen... Während des Krieges wurde sein Vater Erwin Gesch, ein deutscher Soldat, von den Briten in Kriegsgefangenschaft genommen und erst 1947 (zwei Jahre nach Kriegsende!) wieder freigelassen. Doch bei seiner Rückkehr auf seinen Hof in Alt-Künkendorf ist nichts mehr wie es einmal war. Seine Eltern waren in der Zwischenzeit verstorben, der Hof gehörte nun ihm. Der Staat verlangte, dass er sich auch um denselben kümmere, und zwar im Sinne der Planwirtschaft. Als er dies nicht zur Zufriedenheit tat, wurden im Rahmen der Kollektivierung Fremde auf den Hof geschickt, um die Leitung zu übernehmen. So wurde Erwin Gesch zu einem ganz normalen Arbeiter auf seinem eigenen (!) Hof. In dieser Zeit kam zum ersten Mal der Wunsch auf Deutschland zu verlassen. Doch die Umsetzung folgte erst 1953 nach dem Tod der Großmutter. Er war nun frei zu gehen und verließ Deutschland mit seiner Frau und seinen beiden Kindern. Dies geschah in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, die von Alt-Künkendorf über Angermünde, Ostberlin und ein Flüchtlingslager in Ulm schließlich zu Verwandten nach Kanada führte. In den elf Jahren, die Wolfgang Gesch mit seiner Familie in Kanada verbrachte, hielt sein Vater stets an seinem Heimatland fest. Die Familie behielt die deutsche Staatsbürgerschaft und die Kinder wurden jeden Samstag in eine deutsche Schule geschickt. Im Jahre 1960 bekam die Familie erneut Zuwachs und Wolfgang Gesch, zu diesem Zeitpunkt 10 Jahre alt, bekam eine weitere Schwester. Ein Jahr darauf (1961) zog die Familie nach Milwaukee (Wisconsin, USA), einer Stadt, in der zu dieser Zeit viele Deutsche lebten. Auch wenn die Schule für einen gebürtigen Deutschen in einem englischsprachigen Land nicht immer einfach war, schaffte er 1969 an der High - School als Erster aus seiner Familie einen ordentlichen Schulabschluss. Nur wenige Tage später, im Juni `69, begann der 18-Jährige seine Karriere bei der Air Force. Kurz darauf wurde er amerikanischer Staatsbürger, was nötig war, um eine Offizierslaufbahn einschlagen zu können. Er stieg innerhalb der Air Force bis zum Oberst (Colonel) auf und unterrichtet noch heute in ihren Diensten. Zu Hause bei Familie Gesch wurde nie viel über Alt-Künkendorf gesprochen und doch war der Wunsch da, irgendwann einmal dorthin zurückzukehren. 1976 verwirklichte sein Vater diesen Traum. Ironischerweise nahm er kurz zuvor auch die amerikanische Staatsbürgerschaft an, allerdings nur, damit er sich im geteilten Deutschland frei bewegen konnte. Die Wiedervereinigung erlebte Erwin Gesch allerdings nur noch aus dem fernen Amerika. Er starb 1990.
Am 27. August 2005 wurde die ehemalige Scheune im Rahmen eines Sommerfestes des Gymnasium Steglitz feierlich auf den Namen "Erwin-Gesch-Haus" getauft. Alles in allem war nach eigener Angabe die Entscheidung seines Vaters Deutschland zu verlassen das Beste, was ihm passieren konnte. Die Geschichte dieses Mannes kann man wohl als den "American Dream" bezeichnen. |
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