Idee & Geschichte

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Pädagogische Konzept | Bauplanung

             
                    
Idee & Geschichte
          
1. Idee

Der Fall der Mauer vor zehn Jahren und die Wiedervereinigung hat es den Berlinern und damit auch den Schulen ermöglicht, das Umland von Berlin zu erkunden und als Ziel für Klassenfahrten bzw. Wandertage mit einzubeziehen. Unter den neuen Gegebenheiten reifte der Wunsch unter Lehrern und Eltern des Gymnasium Steglitz, die neuen Möglichkeiten endlich zur Gründung eines Schullandheims zu nutzen.

 

2. Zur Geschichte unseres Schullandheims

In das pädagogische Konzept sind viele Gedanken und Vorstellungen eingegangen, die einige engagierte Lehrer unserer Schule schon seit mehreren Jahren verfolgten. Nach einigen vergeblichen Anläufen war mit dem Bauernhof der Familie Gesch in Altkünkendorf ein Areal gefunden, das durch seine Lage, seine Größe und im Hinblick auf die Bedingungen einer möglichen Nutzung - über einen längeren Zeitraum hinweg - in nähere Betrachtung gezogen wurde.

Der amerikanische Colonel Wolfgang Gesch war nach der Wende zu den US-Truppen in Europa abkommandiert worden und hatte einen Berliner Rechtsanwalt beauftragt, sich um die Rückgabe des Familienbesitzes in Altkünkendorf zu bemühen. Im Jahr 1953 war in der DDR die Kollektivierung der Landwirtschaft massiv vorangetrieben worden. Wie viele andere selbständige Bauern, sah sich auch die Familie Gesch den verschiedenen Repressalien ausgesetzt, so daß der Vater des jetzigen US-Colonels mit seiner Frau und dem damals zweijährigen Sohn Wolfgang die DDR verließ, um sich mit Hilfe von Verwandten in Kanada und den USA eine neue Existenz aufzubauen.

Eine LPG übernahm Haus und Hof, Äcker und Wiesen. Nachdem sich die LPG aufgelöst hatte, wurden die Erben des Erwin Gesch wieder in ihre Eigentumsrechte eingesetzt; die Wiesen und Äcker sind verpachtet, aber das etwa einen halben Hektar große Hofgrundstück war wirtschaftlich nicht zu nutzen. Schon die LPG war mit der Scheune, den bescheidenen Stallungen und dem kleinen Wohnhaus nicht eben pfleglich umgegangen, und in den Jahren nach der Wende waren die Gebäude dem Verfall preisgegeben.

Weil Colonel Gesch den Hof in Altkünkendorf unter allen Umständen und für möglichst lange Zeit im Besitz seiner Familie zu halten wünscht, suchte er nach einer Möglichkeit, wie die Gebäude instandgesetzt, erhalten und genutzt werden könnten. Weil er darüber hinaus mit dem Hof, auf dem er geboren ist, weder Geschäfte machen noch spekulieren will, trafen sich seine Intentionen mit denen unserer Schule. Von der Idee, daß eine Schule die Gebäude und das Hofgrundstück nutzen könnte, um dort mit Schülern, Lehrern, Eltern und ehemaligen Schülern gemeinsam zu arbeiten, zu lernen, sich zu erholen und wohlzufühlen, Abstand von der Großstadt zu gewinnen, war Herr Gesch so angetan, daß er eine andere Nutzung bald schon nicht mehr in Betracht zog.

Er setzte sich mit dem Gymnasium Steglitz in Verbindung, und im Mai 1994 fuhr ein interessierter Kreis von Lehrern, Eltern und Schülern nach Altkünkendorf, um den Hof und das Gartengrundstück unter Führung von Herrn Gesch in Augenschein zu nehmen. Es kam zu ersten Kontakten mit dem Gemeindevorsteher, den Dorfbewohnern und den Verantwortlichen des Biosphärenreservats Schorfheide - Chorin, denen wir unser Vorhaben erläuterten und die sich vom Schullandheimprojekt des Gymnasiums Steglitz ein wenig mehr Lebendigkeit für das 160-Seelen-Dorf versprechen und mit der Restaurierung der Gebäude auch eine Verschönerung des Dorfbildes im Rahmen des dörflichen Entwicklungsplanes. Auch die zuständigen Verwaltungs- und Baubehörden in Angermünde, mit denen der Schulleiter im Sommer erste Gespräche führte, haben unsere Pläne außerordentlich wohlwollend aufgenommen und alle mögliche Unterstützung zugesagt.

Herr Gesch erwirkte die Rückübertragung seines Hofes und überließ das Grundstück dem Verein der Freunde in Erbpacht zur Nutzung.
(Hier die Biographie von Herrn Wolfgang Gesch, die er einem Englisch-Grundkurs unseres Gymnasiums anlässlich seines Berlin-Besuches im August 2005 erzählte.)

Besonders engagierte Eltern, Lehrer und Schüler haben zusammen mit dem Schulleiter eine Clearing - Gruppe gebildet, die konzeptionelle und planende Entscheidungen vorbereitete. In den verschiedenen schulischen Gremien und der Versammlung des Vereins der Ehemaligen ist für das Projekt geworben und das Für und Wider erörtert worden. Manchem wurde angst und bange bei dem Gedanken an die immensen Kosten von fast einer Dreiviertelmillion DM, die der Bau voraussichtlich in den nächsten 10 bis 15 Jahren verschlingen werde.

Wie weit kann diese gewaltige Summe durch die eigene Arbeitsleistung von Schülern, Eltern, Lehrern, Ehemaligen und Freunden des Gymnasiums Steglitz gesenkt werden? Wie weit reichen Mut, Einsatzfreude, Enthusiasmus aller Beteiligten? Läßt sich Freude an der Arbeit immer wieder neu entfachen - über einige Schülergenerationen hinweg? Werden die Spenden der Eltern und Ehemaligen reichlich genug fließen?

Es sind Fragen, die allenthalben gestellt werden und die letztlich in eine einzige Frage münden: Ist die Gemeinschaft unserer traditionsreichen Schule so fest gefügt, daß sie diese Herausforderung bewältigt?

Das Schullandheimprojekt ist auf den Weg gebracht, und ich bin voller Zuversicht, daß wir es gemeinsam zu einem guten Ende führen.

Dr. Thomas Gey (Schulleiter des Gymnasiums Steglitz)

 

3. Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist Teil des internationalen UNESCO-Konzeptes "Man and the biosphere", und es ist nach dem Wattenmeer das größte Naturschutzgebiet Deutschlands. Es wird im Süden von den Städten Bad Freien-walde und Eberswalde-Finow begrenzt, von Großschönebeck und Templin im Westen und Nordwesten und von Angermünde im Osten. Fast 130.000 ha groß, wird es von der Bundesautobahn (A 11) Berlin-Stettin (Szeczin) durchschnitten. In diesem Gebiet zwischen Havel und Oder liegen 230 Seen, Gewässer unter 2 ha nicht mitgerechnet, über 300 Moore und Feuchtgebiete.

Aber diese Landschaft, die mit ihren Sandergebieten, Grund- und Endmoränen von der letzten Eiszeit geformt wurde, mit erdgeschichtlichen und geographischen Daten, Fakten und Zahlen zu beschreiben, kann nicht gelingen. Erst wenn man hart nordwestlich von Altkünkendorf von der Anhöhe zwischen Heiligensee und Wolletzsee weit in die Runde blickt, bekommt man einen Eindruck von der hinreißenden Schönheit und dem Zauber dieser Landschaft. Obwohl außerordentlich dünn besiedelt, gehört sie zu den alten Kulturlandschaften Mitteleuropas. Schon die um die Zeitenwende hier siedelnden germanischen und slawischen Stämme schätzten die Seen und Wälder der Schorfheide als fisch- und wildreiche Jagdgründe wie Jahrhunderte später die Markgrafen und Kurfürsten Brandenburgs bis hin zu den Potentaten des 20. Jahrhunderts.

Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist in verschiedene Flächenkategorien eingeteilt:

In der "Kernzone", die nur für wissenschaftliche Zwecke betreten werden darf, soll die Natur sich selbst überlassen bleiben (2,8% der Gesamtfläche).

Im "Naturschutzgebiet" (18,3%) darf nur nach Maßgabe des Naturschutzes Forst- und Landwirtschaft betrieben werden.

Mehr als die Hälfte des Biospärenreservats (55,4%) bildet die Schutzzone III, die "Harmonische Kulturlandschaft", in der zunehmend ökologische Bewirtschaftung angestrebt wird.

Die im 19. Jahrhundert zugunsten monotoner Kiefernkulturen vernichteten Mischwälder sollen nach und nach wieder entstehen. Diese Kulturlandschaft soll einem ökologisch ausgerichtetem Tourismus geöffnet werden.

Die dörflichen Gemeinden müssen dazu lebensfähig erhalten werden. In diesem Zusammenhang ist es erforderlich, die dörflichen Strukturen zu sanieren, wertvolle Bausubstanz zu rekonstruieren und die Infrastruktur zu verbessern. Um- und Neubauten sollen Rücksicht auf das Ortsbild und die geschichtlich gewachsenen Strukturen nehmen. Dabei haben der Ausbau von Familienpensionen und kleinen Hotels den Vorrang vor touristischen Großprojekten. "Die Beherbergung und Versorgung von Tagesgästen und Erholungssuchenden soll zu einem Schwerpunkt in der wirtschaftlichen Entwicklung des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin werden!.

Altkünkendorf liegt in dieser Schutzzone III, aber in der unmittelbaren Nähe des Naturschutzgebietes und der größten Kernzone. Unser Landschulheim wird sich harmonisch in das Weichbild des Dorfes und in das planerische Konzept eines umweltfreundlichen Tourismus einfügen.

aus: Biosphärenreservat Schorfheide - Chorin, herausgegeben vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg, Brandenburg, o.J., S. 19.

              
                         

Gymnasium Steglitz, 12169 Berlin, Heesestraße 15

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